Erziehungsstile – welcher ist der richtige?

Heutzutage gibt es unzählige verschiedene Ansätze, ständig kommen neue Ratgeber und Theorien heraus und die Verwirrung wird immer größer.

Ich gebe Dir heute alle Vorteile und Nachteile einer Autoritären und Antiautoritären Erziehung und zeige Dir wie wir, die richtige Mischung für unsere Kinder bekommen haben.

Du erhältst also 7 direkt anwendbare Prinzipien zum direkt umsetzen. 

Was ist eine antiautoritäre Erziehung?

Überzeugte Vertreter von antiautoritärer Erziehung möchten damit dem Kind den größtmöglichen Spielraum zu völlig freien Entfaltung geben.

Es wird davon ausgegangen, dass Regeln, Grenzen und Verhaltensrichtlinien Kinder in ihrer Entwicklung einschränken und ihnen im schlimmsten Falle sogar Persönlichkeit und Fähigkeiten ab-erziehen.

Das Kind kann stattdessen selbst herausfinden, wie es sich am besten verhalten will und sollte und das eben auch durch Versuch und Irrtum.

Antiautorität bedeutet also nicht, dass Kinder sich nicht früher oder später in soziale Gefüge einbinden sollen.

Aber eben jedes Kind in seiner Geschwindigkeit und durch eigenes experimentieren.

Regeln und Grenzen gibt es nur für tatsächlich gefährliche und (lebens-)bedrohliche Umstände und nicht etwa dafür, ein Zusammenleben reibungslos zu gestalten.

Es werden also ganz klar die Bedürfnisse des Kindes nach Entfaltung und ungebremster Entdeckerfreude in den Mittelpunkt gestellt. Auch wenn das oft auf Kosten der eigenen Nerven laufen kann.

Was ist eine autoritäre Erziehung?

Der genaue Gegenspieler ist die autoritäre Erziehung, so wie viele Menschen sie von früher kennen. Die Generation der eigenen Eltern oder noch extremer der Großeltern wurde größtenteils sehr stark davon geprägt.

In dieser Erziehung geht es darum, Kinder als noch nicht vollwertige Mitglieder der Gesellschaft in Schach zu halten und zu beaufsichtigen.

Sie sollen schon von klein auf lernen, sich anzupassen, gefügig zu sein und zu funktionieren.

Es gibt sehr strenge Richtlinien, wie sie sich verhalten sollten und was von ihnen erwartet wird. Regelverstöße werden hart bestraft, damit sie schnell lernen, wie sie ein funktionierender Teil der Gesellschaft werden. Natürlich ist die Intention dahinter nicht so hart, wie sie erst einmal klingt.

Denn die Überzeugung ist, dass Kinder sich nicht selbstständig entwickeln, sondern geformt werden müssen. Sie sind nicht fähig, sich um sich selbst zu kümmern und müssen daher in jeder Form beschützt und kontrolliert werden.

Antiautorität: Vor- und Nachteile

Nun ist klar, wie sich die Stile unterscheiden. Auf den ersten Blick scheint es so, als wäre Antiautorität die bessere Wahl und für das Kind wesentlich angenehmer.

Aber wie sieht es damit wirklich aus? Entwickelt sich ein freies Kind optimaler? Definitiv hat diese Erziehung Sonnen- und Schattenseiten.

Das läuft gut

Das Kind hat viele Freiheiten und fühlt sich nicht eingeschränkt oder in eine vorgeschriebene Richtung gedrängt.

Es kann sich selbst und die Welt erforschen und herausfinden, wie es sein möchte.

Dabei kommen Talente, Fähigkeiten und Charakterzüge besonders authentisch zu Tage. Außerdem kann das Kind selbst erproben, welches Verhalten in der Gesellschaft gut oder schlecht ankommt.

Durch ausprobieren lernt es viel nachhaltiger, was eine gute oder eine schlechte Idee war und dieses erlernte Verhalten ist nachhaltiger, als schlicht anerzogenes Verhalten. Es fordert große Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Empathie von dem Kind, das beste Verhalten zu erlernen. Dadurch entwickelt es vielfältige Strategien, um sich in der Welt einzufügen und durchzusetzen.

Von seinen Bezugspersonen bekommt es das Gefühl vermittelt, dass es genauso viel wert ist wie Erwachsene.

Was es sagt, ist wichtig und was es möchte oder nicht möchte, wird ernst genommen. Auch die Entwicklung eigener Wünsche und Vorstellungen wird begünstigt, genauso wie deren Realisierung durch eigenen Einsatz.

Das läuft SCHWIERIG

Das Fehlen bestimmter Regeln und Grenzen ist für das Kind verwirrend und verunsichernd. Es kann (vor allem in jungen Jahren) noch nicht einschätzen, welche Folgen sein Handeln haben kann und Zusammenhänge sind oft nicht kindgerecht verständlich.

Konsequenzen sind dann oft schmerzhaft spürbar, aber nicht nachvollziehbar und erst Recht nicht nachhaltig lehrreich.

Die Orientierung an den erfahrenen und gefestigten Erwachsenen gäbe ihnen Sicherheit, diese wird jedoch zugunsten der Freiheit vernachlässigt.
Hinzu kommt, dass nicht alle Kinder im Grunde ihrer Persönlichkeit explorativ und aktiv sind. Wenn alles kann und nichts muss, gehen viele Kinder dauerhaft den Weg des geringsten Widerstandes und machen es sich bequem.

Oder sie finden heraus, wie sie andere Menschen möglichst effektiv manipulieren und benutzen können, da ihnen kein ethisches Verständnis beigebracht wurde. Für das Umfeld und die Mitmenschen antiautoritär aufgewachsener Kinder sind diese oft sehr anstrengende und manchmal sogar unangenehme Gesellschaft.

Das spüren die Kinder natürlich und können dennoch nicht einordnen, warum ihnen dieser Missmut entgegenschlägt.

Autorität: Vor- und Nachteile

Also ist vielleicht doch die autoritäre Erziehung die bessere Wahl? Sind Grenzen und Regeln wichtig für die Sicherheit und positive Entwicklung?

Auch hier gibt es positive und negative Aspekte zu bedenken:

Das läuft gut

Das Kind weiß genau, was von ihm erwartet wird und wie es sich in welcher Situation am besten verhalten kann. Es weiß, was richtig und was falsch ist und eckt daher wesentlich weniger in der Gesellschaft an.

Dadurch bleiben ihm viele negative Erfahrungen erspart und es wächst sicher und behütet heran. Diese Sicherheit brauchen Kinder, um entspannt und stressfrei Kind sein zu dürfen.

Klare Regeln und Richtlinien geben einen Weg vor, sodass es nicht ständig selbst einen finden muss. Wenn es etwas falsch macht, kennt es die Folgen bzw. Strafen und auch das gibt Sicherheit und lehrt den logischen Zusammenhang zwischen Tat und Konsequenz.

Die Bezugspersonen erlebt das Kind als starke und verlässliche Menschen, denen es Respekt entgegenbringt. Dieser Respekt ist wichtig, da er auch im Umgang mit anderen Menschen im späteren Leben nötig ist.

Wenn das Kind bereits respektvollen Umgang lernt und richtig von falsch unterscheidet, wird es als Erwachsener weniger Schwierigkeiten haben als, wenn es völlig unangepasst und nur nach dem eigenen Kopf aufwächst.

Das läuft SCHWIERIG

Durch die strengen Regeln und Richtlinien bleibt wenig Spielraum, um sich selbst ausprobieren zu können.

Das Kind wird sich wahrscheinlich nur selten trauen, Fehler zu machen, da diese konsequent bestraft werden. Außerdem nimmt es die Eltern oft hauptsächlich als Respektspersonen wahr, was du einer etwas kühlen und angst-betonten Beziehung führen kann.

Je autoritärer die Eltern sind, desto weniger hat das Kind das Gefühl, auch mit Versagen und Fehltritten zu ihnen kommen zu können. Im schlimmsten Fall wird die Liebe der Eltern in direktem Zusammenhang mit dem „brav sein“ des Kindes in Verbindung gebracht.

Diese Kinder haben dann übermäßig das Bedürfnis, zu gefallen und zu funktionieren, was sie nervös und angepasst macht. Auch als Erwachsene werden sie dann häufig dem Leistungsdruck zugewandt sein und sich nur als gute Menschen wahrnehmen, wenn sie alles richtig machen.

Kinder sehr autoritärer Eltern finden oft nicht die Freiheit, sich so zu entwickeln, wie sie wirklich sind und sein wollen.

Gibt es die eine, richtige Erziehung?

Auch wenn sich gerade Antiautorität und Autorität grundsätzlich auszuschließen scheinen, können sie doch einiges voneinander lernen.

Betrachtet man diese Erziehungsstile, scheinen sie die beiden Seiten der gleichen Münze zu sein.

Sie können einander also gut ausbalancieren und der eine dem anderen die spitzen Ecken und harten Kanten nehmen.

Um die Leitfrage also deutlich zu beantworten:

Nein, den einen, absolut unfehlbaren Erziehungsstil gibt es so nicht. Die individuell passende Mischung macht den Erfolg aus. Dabei sollten sowohl autoritäre Bestandteile als auch antiautoritäre Einstellungen vorkommen.

Wie diese Mischung jeweils gewichtet wird, kommt ganz auf die Persönlichkeit der Eltern und der Kinder an. Verschiedene Eltern haben ihrer Persönlichkeit nach auch ganz verschiedene Vorgehensweisen. Manche sind besonders durchsetzungsfähig, andere eher gelassen und locker.

Es kommt also jeweils darauf an, was den Eltern wichtig ist und auch, wie sie es auf ihre Art umsetzen und durchsetzen können. Genauso hängt es auch von dem spezifischen Kind ab, wie viel Konsequenz, Härte oder Freiheit es benötigt.

Kinder, die generell schüchtern und ängstlich sind, werden nicht so viel Autorität benötigen, wie ungestüme und laute Kinder mit wenig Selbstbeherrschung.

Wenn man sich also fragt, welche Mischung die persönlich richtige ist, beachtet man diese beiden Kriterien: Welche Persönlichkeit habe ich als Elternteil (und da ist Ehrlichkeit sich selbst gegenüber nötig) und welche Persönlichkeit hat mein Kind?

Auf dieser Basis werden die Details geklärt, also zum Beispiel:

Was ist wichtig für uns als Familie und für das Umfeld des Kindes? Was möchte ich meinem Kind vermitteln und welche Werte und Verhaltensweisen will ich ihm unbedingt mitgeben?

Aber auch: Wo kann ich locker lassen und einfach zusehen, was mein Kind entscheidet und zu welcher Persönlichkeit es sich natürlicherweise entwickelt?

7 Vorschläge für die perfekte Mischung

Vielleicht haben Sie sich in der einen oder anderen Beschreibung wieder erkannt.

Vieles machen Sie wahrscheinlich intuitiv genau richtig, anderes fühlt sich nicht effektiv an oder Sie haben sich sogar in negativen Seiten der Erziehungsstile wiedererkannt. 

Als kleine Hilfen im Alltag können folgende Regeln die Erziehungsfrage erleichtern und die (sanfte!) autoritäre Erziehung einbauen.

Und keine Sorge: Wenn Sie sich die Beschreibung und Vorteile der antiautoritären Erziehung zu Herzen genommen haben, werden Sie dadurch noch nicht zum gefürchteten Feldwebel.

Angedrohte Konsequenzen einhalten

Alle Eltern kennen das, wenn eine Regel gebrochen wurde und nun die Strafe droht.

Im Idealfall steht diese in direktem Zusammenhang mit dem Vergehen, sodass sie Sinn ergibt und als Konsequenz lehrreich ist, statt nur eine Strafe um des Bestrafens willen zu sein.

Um zu wirken, muss sie aber zuverlässig und nicht umgehbar sein. Sie darf nicht diskutiert oder erlassen werden, denn sonst leidet die Glaubwürdigkeit in der Zukunft.

In wichtigen Dingen nicht nachgeben

Regeln gibt es, weil sie wichtig und sinnvoll sind und nicht, um die Machtposition der Eltern zu betonen. Daher müssen diese Regeln auch eingehalten werden.

Geben die Eltern immer wieder darin nach und folgt eine „Ausnahme“ nach der anderen, dann sind sie keine Respektspersonen mehr.

Von ihnen aufgestellte Regeln sind für das Kind dann nur noch ungefähre Richtlinien, die beliebig anpassbar sind – und damit völlig unverständlich.

Regeln gemeinsam aufstellen

Das bedeutet nicht, dass Kinder sich ihre Regeln aussuchen sollten.

Als Erwachsener haben Sie immer die höhere Position, denn Sie tragen auch die Verantwortung für das Leben und die Unversehrtheit des Kindes.

Dennoch sollten Regeln ausdiskutiert werden und vor allem Konsequenzen gemeinsam festgelegt.

So bekommt das Kind ein Gespür dafür, wie die Dinge zusammen hängen und versteht den Sinn der Regeln.

Grenzen austesten lassen

Es ist völlig normal, dass Kinder ihre Grenzen immer wieder testen und versuchen, sie zu erweitern.

Im Laufe des Lebens wird das auch ganz natürlich passieren, denn ältere Kinder können und dürfen natürlich mehr als jüngere.

Aber das Rebellieren gegen sinnvolle und nötige Grenzen muss von Erwachsenen ertragen werden.

Stark bleiben und Rebellion nicht persönlich nehmen ist hier angesagt.

Respektsperson sein

Auch wenn im Zusammenhang mit Regeln und Grenzen kleine oder größere Diskussionen und Streit aufkommt: Bleiben Sie immer respektvoll und verlangen Sie das auch vom Kind.

Erlauben Sie nicht, dass die Umgangsformen und das liebevolle Miteinander von Regeldiskussionen beeinträchtigt wird.

Dazu gehört natürlich auch, dass dem Kind zugehört wird und ebenso verlangt wird, dass es Ihnen zuhört.

Selbst an Regeln halten

Die besten Regeln haben keinerlei Wirkung, wenn die Respektsperson genau das Gegenteil tut. Erklären Sie Ihrem Kind warum es nicht zu viel Schokolade bekommt, verspeisen dann aber selbst eine ganze Tafel?

Gilt für das Kind die Regel, dass keine Schimpfworte benutzt werden, fluchen aber selbst bei der Fußballübertragung in den derbsten Tönen? Nur wer mit sich selbst genauso streng, ist wie mit dem Kind, wird zu einem glaubwürdigen Vorbild.

Wichtig:

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